Die Tapetentrends der letzten 125 Jahre

7. Oktober 2014


Wir feiern in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum möchten wir nutzen, Tapetendessins aus den letzten 125 Jahren zu zeigen. Die Tapeten der Vergangenheit sind beeinflusst von modischen Trends und historischen Ereignissen – schon damals waren Tapeten ein Spiegel ihrer Zeit. In manchen Epochen schmückten knallige Farben und aufwendige Verzierungen die Wände. Zu Kriegszeiten sind Tapetenfarben und -muster kaum wahrnehmbar. Aber seht selbst:

Proportionen, Farben und Muster werden im Historismus beliebig kombiniert. Der Dekorationsstil ist überladen und verschnörkelt. Tapeten tragen schwere Farben, üppige Motive und opulente Ornamente. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden die Tapetenmuster wieder heller und wirken freundlicher.

Um 1910 verlieren Wanddekors ihre gedeckten Farben. Grelle, kräftige Kolorierungen und manifeste Verzierungen sind jetzt die Vorlieben der Menschen.

Typisch für die goldenen Zwanziger sind Bauhaustapeten, die vom Funktionalismus geprägt sind. Das Merkmal: Das Design ordnet sich dem sachlichen Zweck und der Funktion unter. Klare Linien und eine schnörkellose Bauform zeichnen den zweckmäßigen Stil aus.

Die Tapeten der 30er Jahre gewinnen langsam an Struktur und tragen helle Farben. So sind auch die Geschmäcker für Tapeten in den 40er Jahren. Die dezenten Farben variieren vorwiegend zwischen hellbraun und dunkelbraun. Die Muster sind immer noch schlicht und simpel.

Erst in den 50er Jahren werden Tapeten etwas bunter. Sie spiegeln die überall herrschende Aufbruchsstimmung wieder. Hoch im Kurs sind abstrakte, grafische Aufdrucke und pastellfarbene Dessins.

Während zu Beginn der 60er Jahre Tapeten wieder biederer und traditioneller werden, markiert am Ende des Jahrzehnts Studentenrevolte den Wendepunkt im Tapetendesign. Die Tapeten tragen übergroße Motive und schrille Farben.

Bis Ende der 70er Jahre erlebte die Tapete eine wahre Euphorie. An den Wänden finden sich nun Gras-, Velours-, Kork- und Metalltapeten. Und es gilt: je knalliger und bunter die Farben und Muster, desto besser. Auch Fototapeten sind beliebt. Motive wie Herbstwald und Palmenstrand verzieren die Wände und reflektieren die Sehnsüchte der Menschen.


Dies ändert sich abrupt in den 80er Jahren. Die auffallenden Dekors und Farben verschwinden. Beliebt sind jetzt schlichte, weiß strukturierte Wände.

Umso kreative sind wieder die 90er Jahre. Die Technokultur hat starken Einfluss auf die Tapetentrends. Bunte Farben und außergewöhnliche Motive schmücken die Wände.

Heute gilt: Trend ist, was gefällt – die Vielfalt an Tapetendessins und –farben war nie größer. Besonders angesagt sind zur Zeit Tapeten mit haptischer Struktur und ausgefallenen grafischen Motiven. Tapete steht mehr denn je für Individualität und Kreativität beim Einrichten.