Wenn plötzlich 11,5 Millionen Euro im Raum stehen

19. April 2010


Eine italienische Goldledertapete aus dem 16. Jahrhundert ist ein ziemlich anspruchsvoller Zimmergenosse: Kein Sonnenlicht, nicht zu trockene Luft und wenn man ihr ein Strahlen entlocken will, muss es am besten eine Politur aus frischem Eigelb sein. Kein leichtes Unterfangen, die Bedürfnisse solcher Hoheiten zu befriedigen, wenn man weder genug Platz noch die passenden Räume hat.

Bislang tummelten sich 800 Tapeten-Raritäten auf gerade mal 1.000 Quadratmetern im Landesmuseum Hessen. Damit soll jetzt Schluss sein. Denn die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) hat sich für ihre einzigartige Tapetensammlung beim Land stark gemacht. Oder eher gesagt: schwer. Denn 11,5 Millionen Euro stellt das Land Hessen zur Verfügung, um auf dem Kasseler Weinberg ein weltweit einmaliges Tapetenmuseum zu bauen.


prachtvolle Motivtapete (17. Jh.)

3.000 Quadratmeter sind hierfür eingeplant, auf denen sich zukünftig ein Großteil der 22.000 Objekte umfassenden Sammlung – von der antiken Goldledertapete bis hin zur extravaganten Designertapete – perfekt entfalten können. Ich kann mir vorstellen, dass dies besonders den französischen Panoramatapeten gefallen wird. Davon haben nämlich 41 der insgesamt 90 weltweit bekannten Dekore ihrer Heimat den Rücken zugekehrt, um heute très chic die Wände der MHK-Sammlung zu schmücken.

Welcher Architekt das neue Tapetenmuseum planen darf, steht noch nicht fest. Aber die Bewerbungen laufen. Laut des MHK-Chefs ist es wichtig, dass sich die Architektur den Ansprüchen der Präsentation unterordnet und genau darauf abgestimmt ist. So sieht das Museumskonzept nicht nur sehr große Räume und Flure vor, sondern zum Beispiel auch unterschiedliche Raumhöhen sowie zu den Tapeten passendes Mobiliar. Aber bei 11,5 Millionen Euro kann man getrost auch zwei Mal zu Ikea fahren.